WireGuard: VPN für den Alltag
VPN ist kein Nischenthema. Remote-Arbeitsplatz, Standortvernetzung, Zugriff auf interne Dienste — das braucht jede Organisation. WireGuard macht es einfacher, als VPN jemals war.
Warum WireGuard?
WireGuard ist 4.000 Zeilen Code — gegen IPsecs Hunderttausende. Es läuft im Kernel, braucht keine Zertifikatsinfrastruktur, kein IKE-Handshake-Theater. Ein Schlüsselpaar, eine Config-Datei, fertig.
# Schlüsselpaar erzeugen
wg genkey | tee privatekey | wg pubkey > publickey
# /etc/wireguard/wg0.conf
[Interface]
PrivateKey = <...>
Address = 10.10.0.1/24
ListenPort = 51820
[Peer]
PublicKey = <...>
AllowedIPs = 10.10.0.2/32, 192.168.181.0/24
Das ist die ganze Site-to-Site-Konfiguration zwischen Kufstein und dem Hetzner-Root-Server. Kein Verbindungsaufbau, kein Aushandeln — die Tunnel sind da, sobald die Interfaces hoch sind.
Site-to-Site: Standorte wie ein Netz
Zwei Standorte, ein VPN-Tunnel, und beide Seiten erreichen einander, als wären sie im selben VLAN. Wir nutzen das:
- Kufstein → Hetzner: Proxmox-Backup-Traffic läuft über WireGuard, verschlüsselt, ohne zusätzliche Authentifizierungsschicht
- Kufstein → Kundenstandort: Zugriff auf deren Monitoring, Logging, Helpdesk — ohne Port-Forwarding auf deren Firewall
Road-Warrior: Ein mobiler Client, ein Eintrag
Laptop, Handy, Tablet — WireGuard-Clients gibt es für alles. Ein Peer-Eintrag pro Gerät, und der Mitarbeiter ist im internen Netz, egal von wo.
# Client-seitig
[Interface]
PrivateKey = <...>
Address = 10.10.0.10/32
[Peer]
PublicKey = <server-key>
Endpoint = vpn.senn-tech.com:51820
AllowedIPs = 192.168.181.0/24
PersistentKeepalive = 25
PersistentKeepalive = 25 ist bei Clients hinter NAT (also praktisch jedem Laptop im Hotel-WLAN) kein Detail, sondern Pflicht: Ohne regelmässige Keepalive-Pakete schliesst der NAT-Router das UDP-Mapping, und der Rückweg zum Client ist tot. Bei Tunnel-in-Tunnel-Szenarien lohnt zudem ein Blick auf die MTU (häufig 1420), sonst zerschellen grosse Pakete an der Fragmentierung.
Viele Clients? Eine Management-Schicht
Ein Peer-Eintrag pro Gerät ist bei fünf Mitarbeitern charmant, bei fünfzig mühsam. Tools wie wg-easy, wg-portal oder Firezone legen eine Verwaltungsoberfläche über WireGuard — Peers, QR-Codes fürs Handy und Ablaufdaten inklusive, ohne den Kernel-Vorteil aufzugeben.
WireGuard vs. OpenVPN vs. IPsec
| Kriterium | WireGuard | OpenVPN | IPsec |
|---|---|---|---|
| Komplexität | Minimal | Mittel | Hoch |
| Performance | Kernel, sehr schnell | Userspace, gut | Kernel, schnell |
| Roaming | Transparent | Mühsam | Kaum |
| Auditierbarkeit | Sehr gut (kleiner Code) | Gut | Schwierig |
Sicherheit: Das Einfachheitsprinzip
WireGuard hat keine Optionen für unsichere Cipher. Es gibt nicht "den falschen Algorithmus" auszuwählen, weil es keine Auswahl gibt. Curve25519, ChaCha20, Poly1305 — das sind die einzigen Primitive, und das ist ausreichend.
Fazit
WireGuard ersetzt IPsec und OpenVPN für alle KMU-VPN-Zwecke. Keine Konfigurationsorgien, keine Zertifikatsprobleme, kein Verbindungsroulette. Ein Schlüsselpaar, eine Config — dann ist der Tunnel da.