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Infrastruktur
Infrastruktur2026-07-06

SSO für den selbstgehosteten Stack: Authentik und Keycloak im Vergleich

Wer einen selbstgehosteten Stack ernsthaft betreibt, hat irgendwann zehn Logins. Jedes Tool bringt einen eigenen Benutzerstamm, jedes vergisst ein Passwort, jedes hat eine andere MFA-Implementierung. Die Lösung heißt Identity Provider — und sie sollte vor den Tools kommen, nicht hinterher.

authentik — Admin-Dashboard
Das Admin-Dashboard von authentik: Systemzustand, Ereignisse und Anwendungen in einer modernen Oberfläche.

Was ein SSO bringt

  • Ein Login, alle Dienste: Eine Anmeldung öffnet Nextcloud, Gitea, Zammad, den Mail-Webclient und den Chat.
  • Eine Stelle für MFA: Zwei-Faktor wird zentral erzwungen, nicht pro Tool konfiguriert. WebAuthn/Passkeys inklusive.
  • Eine Stelle für Offboarding: Ein Benutzer, der geht, wird einmal gesperrt — überall.
  • LDAP/AD-Anbindung: Bestehende Verzeichnisse bleiben die Quelle der Wahrheit; der IdP spricht mit ihnen.

Die zwei ernsthaften Open-Source-Optionen

  • Keycloak ist der Platzhirsch. Java, reif, von Red Hat unterstützt, spricht jedes relevante Protokoll (OIDC, SAML, LDAP). Mächtig, aber schwerfällig — und konfigurativ anspruchsvoll.
  • Authentik ist der jüngere Herausforderer. Python, schlanker, mit einem modernen UI und flexibleren Flows (visualisierte Anmeldeketten). Weniger Legacy, dafür kleinere Community.

Beide unterstützen OIDC, SAML und LDAP-Anbindung. Für einen grünen Stack tendieren wir zu Authentik; für Integrationen in eine bestehende Unternehmens-IT mit SAML- requirements oft zu Keycloak.

Wie die Anbindung funktioniert

  • Jedes Tool wird als Relying Party (Client) im IdP registriert — mit Redirect-URL und Client-Secret.
  • Beim Login leitet das Tool zum IdP weiter, der Benutzer authentifiziert sich dort (inkl. MFA), und ein signiertes Token kommt zurück.
  • Der IdP kann Claims (Gruppen, Rollen) mitgeben, sodass das Tool weiß, welche Rechte der Benutzer hat — ohne eigene Benutzerpflege.

Was oft vergessen wird

  • Sicherheitsrichtlinie: Der IdP wird zum Single Point of Authentication. MFA ist nicht optional — wer ihn ohne zweite Factor betreibt, bündelt das Risiko statt zu streuen.
  • Backup & HA: Ein IdP-Ausfall legt den gesamten Stack lahm. Ohne replizierte Datenbank und regelmäßige Backups fällt mit dem IdP der ganze Stack aus. Beides gehört von Anfang an dazu.
  • Session-Management: Token-Gültigkeit und Refresh-Verhalten bewusst setzen — zu lange Sessions sind ein Schwachpunkt.

Unsere Sicht

SSO ist Sicherheitsarchitektur. Der Grund ist konkret: MFA lässt sich nur zentral erzwingen, nicht Tool für Tool. Wer MFA ernst nimmt, kann sie nicht pro Tool durchsetzen — nur zentral. Und wer Offboarding sauber lösen will, braucht eine Stelle, an der ein Benutzer existiert. Authentik und Keycloak liefern das on-prem, ohne eine Drittanbieter-Abhängigkeit.

Weiterführende Quellen